NEWS > Wettanbieter Ladbrokes im Visier der Werbeaufsicht - vier unzulässige Tweets sollen weg

Wettanbieter Ladbrokes im Visier der Werbeaufsicht - vier unzulässige Tweets sollen weg

Wettanbieter Ladbrokes im Visier der Werbeaufsicht - vier unzulässige Tweets sollen weg

Was dich in diesem artikel erwartet

von: Sonja Çeven
Datum:
Lesedauer: min
zuletzt aktualisiert: 10.08.2023

Inhaltsverzeichnis

Die britische Werbeaufsicht Advertising Standards Authority (ASA) hat den Sportwettenanbieter Ladbrokes wegen vier ihrer Ansicht nach unzulässiger Twitter-Posts abgemahnt. Die Tweets verstießen gegen die Werberichtlinien, da sie auf Minderjährige besonders ansprechend wirken könnten, erklärt die ASA.

Ladbrokes hatte sich gegen die Abmahnung gewehrt und deutlich gemacht, dass es sich bei den Posts nicht um Werbung, sondern redaktionelle Inhalte handle. Der ASA genüge diese Argumentation allerdings nicht, ebenso wenig wie die von Ladbrokes dargelegte Reichweiten-Analysen der Tweets. 

Diskussion um Zielgruppen der in den Posts dargestellten Sportler

Die vier kritisierten Posts, die im Januar und Februar veröffentlicht wurden, betreffen den Tennissport und insbesondere die Tennis-Legende Novak Djokovic. Zwei der Posts sind Umfragen unter allen Ladbrokes-Followern, wer sich für die Australian Open 2023 qualifiziert und wer den Grand Slam 2023 gewinnen wird. 

Die anderen zwei zelebrieren Novak Djokovic im Kontext der Australian Open 2023. Neben Djokovic sind auf den dazugehörigen Bildern auch die Tennis-Stars Rafael Nadal, Nick Kyrgios und Stefanos Tsitsipas. Wie Ladbrokes erklärt, dienten die Tweets lediglich der Interaktion mit den eigenen Followern. Es habe sich bei keinem der Posts in irgendeiner Form um Werbung für das eigene Produkt gehandelt. 

Laut der ASA sei dies jedoch nicht der entscheidende Punkt, der zu einer Abmahnung geführt hätte. Die in den Posts gezeigten Sportler hätten einen hohen Bekanntheitsgrad und gälten daher aus Sicht des Jugendschutzes als besonders riskant im Kontext öffentlicher Auftritte von Glücksspielanbietern. Schließlich sei davon auszugehen, dass Sportler mit einem derartigen Bekanntheitsgrad besonders das Interesse Minderjähriger wecken.

Weder Posts noch Sportler-Profile erreichen Minderjährige

Der Sportwettenanbieter Ladbrokes konnte die Kritik der ASA nicht nachvollziehen. Nicht nur handle es sich nicht um werbende Posts, sondern könne der Anbieter auch nachweisen, dass diese keine Minderjährigen erreicht hätten. Der Wettanbieter ergreife bereits umfangreiche Maßnahmen, dass lediglich die Zielgruppe der über 25-Jährigen mit den Tweets in Berührung komme. 

Zudem habe der Wettanbieter als Reaktion auf die Abmahnung geprüft, welche Zielgruppen die jeweiligen Twitter-Profile der vier Tennisspieler erreichen. Demnach hätten die Sportler bis auf wenige Ausnahmen keine Follower unter 21 Jahren. Auch die von den Sportlern ausgehenden Partnerschaften mit Unternehmen wie Peugeot, Hublot oder ANZ Banking seien eindeutig mit älteren Zielgruppen verknüpft. 

Keine ausreichende Altersverifikation bei Twitter

Doch auch dieser Argumentation folgt die ASA nicht. So heißt es seitens der Werbeaufsicht: 

Wir erkennen an, dass die von Ladbrokes zur Verfügung gestellten Daten darlegen, dass die große Mehrheit der Social-Media-Follower der Sportler älter als 18 Jahre ist und, dass ihre kommerziellen Partnerschaften mit Marken bestehen, die sich auf Erwachsene fokussieren. Dies ändert dennoch nichts an unserer Einschätzung, dass die in den Werbeposts gezeigten Spieler mit großer Wahrscheinlichkeit eine starke Anziehungskraft auf unter 18-Jährige ausüben.” 

Ein weiteres Problem sei, dass Twitter keine Altersverifikation seiner Nutzer durchführe. Minderjährige könnten daher bei der Altersangabe ein höheres Alter angeben und seien nicht mehr von den Jugendschutz-Maßnahmen der Glücksspielanbieter gedeckt. Die betroffenen Posts von Ladbrokes wären bspw. auf einer anderen Plattform, zu welcher tatsächlich nur volljährige Personen Zugriff hätten, unproblematisch. 

In Anbetracht dieser Umstände sei Ladbrokes weiterhin angehalten, die Posts zu entfernen und auch in Zukunft auf Tweets derartiger Gestaltung zu verzichten. 

Werbeaufsicht nutzt Künstliche Intelligenz zum Aufspüren von Verstoßen

Auf die Posts aufmerksam geworden sei die ASA mithilfe von Technologien der Künstlichen Intelligenz (KI). In der Vergangenheit musste die Werbeaufsicht alle Spots, Anzeigen und Posts manuell prüfen. Viele Verstöße wurden der Regulierungsbehörde auch von Dritten gemeldet. 

Seit diesem Jahr nutzt die ASA zunehmend automatisierte Systeme der Künstlichen Intelligenz, um unzulässige Werbeinhalte aufzuspüren. Wie die Behörde erklärt, sei das Werbevolumen insbesondere im digitalen Bereich derart gewachsen, dass die Mitarbeiter nicht einmal die eingehenden Beschwerden abarbeiten könnten. 

Die Behörde sei sich aber auch der potenziellen Risiken und Mängel der KI bewusst. Daher werden alle von der KI aufgezeigten potenziellen Verstöße anschließend händisch geprüft. Dennoch ist sich die ASA sicher, dass die Regulierung von Werbung und anderen Bereichen durch den Einsatz von KI künftig noch effizienter werden könnte.

Weitere relevante News

Suchtprävention und Beratung

Wenn aus dem Spiel Ernst wird: Aktuellen Studien zufolge liegt die Zahl der Personen, die Suchtverhalten beim Glücksspiel aufweisen, zwischen 134.000 und 416.000. Spielteilnahme erst ab 18 Jahren. Glücksspiel kann süchtig machen. Infos und Hilfe unter www.bzga.de.

Weitere relevante Ratgeber