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DSWV: Spielersperren differenziert betrachtet

DSWV: Spielersperren differenziert betrachtet

Was dich in diesem artikel erwartet

Laut DSWV zeigt die steigende Zahl der Einträge in der OASIS-Sperrdatei nicht, dass es mehr Gefährdete gibt, sondern dass das System funktioniert.

von: Sabine Löwenberger
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Lesedauer: min
zuletzt aktualisiert: 07.06.2023

Inhaltsverzeichnis

DSWV: Steigende Spielersperren sind auf verbesserten Spielerschutz zurückzuführen

Ein Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) hat in den vergangenen Tagen eine große Debatte zum Thema Glücksspielsucht ausgelöst. Laut RND hat sich die Zahl der Spielersperren in den vergangenen Jahren mehr als vervierfacht.

Während die einen dies auf eine Ausbreitung problematischen Spielverhaltens in der Gesellschaft zurückführen, widerspricht der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) dieser Schlussfolgerung entschieden. Wie die Experten erklären, ist dies schlicht auf die steigende Zahl der angeschlossenen Anbieter und der registrierten Spieler zurückzuführen.

Wie der Verband betont, zeige die steigende Zahl lediglich, dass das Sperrsystem als zentrales Element des Spielerschutzes funktioniere. Die Steigerung sei daher ein Zeichen für einen zunehmenden Spielerschutz und nicht für eine zunehmende Gefährdung der Spieler.

Die Spielersperrdatei OASIS: Zahl der Spielersperren

OASIS (Online-Abfrage Spielerstatus) ist eine nationale Spielersperrdatei, die ihren Zweck erfüllt, indem sie online und in Echtzeit den Spielerstatus eines Spielers abfragt, wenn dieser am Glücksspiel teilnehmen möchte.

Ist der Spieler in die OASIS-Sperrdatei eingetragen, wird ihm der Zugang zum Glücksspiel verwehrt. Diese Spielersperre gilt sowohl für das stationäre als auch für das Online-Glücksspiel.

Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) und Spielerschutz

Nach dem Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) müssen alle in Deutschland zugelassenen Glücksspielanbieter und -veranstalter an die OASIS-Sperrdatei angeschlossen sein. Weiterhin ist vorgeschrieben, dass jeder Spieler vor der Teilnahme am Glücksspiel in der OASIS-Datenbank überprüft werden muss.

Diese Maßnahmen sollen gefährdete Spieler vor den möglichen negativen Auswirkungen des Glücksspiels schützen.

Zwei Möglichkeiten: Fremd- und Selbstsperre

Die OASIS-Sperrdatei ermöglicht zwei Arten von Spielersperren: die Selbstsperre und die Fremdsperre.

Eine Selbstsperre wird vom Spieler selbst beantragt, während eine Fremdsperre von einer dritten Person, in der Regel einem nahestehenden Partner oder Familienmitglied, veranlasst wird. Eine Fremdsperre kann beantragt werden, wenn Anzeichen von Spielsucht oder Verschuldung vorliegen.

Zahl der registrierten Spielersperren steigt

Nach Angaben des RND machen Fremdsperren etwa 5 % der Einträge in der OASIS-Sperrdatei aus. Das bedeutet, dass die Mehrheit der Spieler ihr eigenes problematisches Spielverhalten erkennt und selbst eine Sperre beantragt. Von den insgesamt 192.600 OASIS-Einträgen wurden laut RND über 9.000 Sperren aufgrund von Fremdanträgen verhängt.

Bemerkenswert ist die Zunahme der Einträge in der OASIS-Sperrdatei. Ende 2020 waren rund 47.000 Personen in der Sperrdatei registriert. Bis Anfang Mai 2023 stieg diese Zahl auf über 192.600 an, was einem Wachstum von über 400 % entspricht.

Bereits in den Vorjahren war ein kontinuierlicher Anstieg der Spielersperren zu verzeichnen. Ende 2021 waren es rund 107.000 Einträge, während Ende 2022 rund 153.500 Personen in der Sperrdatei verzeichnet waren.

Widerspruch bei der Auslegung der Daten

„Die hohe Zahl an Spielersperren spricht Bände“, erklärte der Sucht- und Drogenbeauftragte Burkhard Blienert (SPD) gegenüber dem RND. Die steigenden Registrierungen bei OASIS würden zeigen, wie sehr die Menschen unter ihrer Sucht leiden:

„Da die überwiegende Mehrheit sich selbst sperren lässt, muss der Leidensdruck bei sehr vielen Menschen erheblich sein und auch die Einsicht, selbst etwas unternehmen zu müssen.“

Wie der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) verdeutlicht, liegt die steigende Zahl jedoch nicht daran, dass es mehr süchtige Spieler mit Spielproblemen gibt, sondern schlichtweg daran, dass mehr Anbieter und Spieler das Sperrsystem nutzen.

DSWV: Anstieg hätte statistisch noch höher ausfallen können

Bis Juni 2021 waren laut DSWV lediglich 464 Glücksspielanbieter mit 1.529 Spielstätten an die OASIS-Sperrdatei angeschlossen. Diese Anschlüsse beschränkten sich im Wesentlichen auf Spielhallen in Hessen und Rheinland-Pfalz sowie auf Spielbanken und einige wenige Sportwettveranstalter.

Inzwischen sind über 6.400 Veranstalter mit mehr als 29.500 Spielstätten an OASIS angeschlossen. Vor Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrages am 1. Juli 2021 konnten Spielstätten außerhalb von Hessen und Rheinland-Pfalz nicht an OASIS angeschlossen werden.

Zudem kamen seit Ende 2020 zahlreiche neu lizenzierte Anbieter von Sportwetten und Online-Glücksspielen hinzu, die zuvor aus rechtlichen Gründen nicht verpflichtet waren, sich an OASIS anzuschließen.

Angesichts dieses deutlichen Anstiegs der bundesweit angeschlossenen Wettbüros, Spielhallen und Online-Veranstalter ist ein relevanter Anstieg der Spielersperren, wie vom DSWV dargelegt, nur folgerichtig. Eigentlich hätte ein noch stärkerer Anstieg statistisch nicht überraschen dürfen.

Entwicklung der OASIS-Zahlen als Beleg für erfolgreichen Spielerschutz

DSWV-Präsident Mathias Dahms ermahnt, dass es gefährlich ist, die Daten falsch auszulegen: “Nicht die Zahl der Spielsüchtigen ist gestiegen, sondern die Zahl der Spieler, die in OASIS eingetragen und so anbieterübergreifend geschützt werden können. Die Entwicklung der OASIS-Zahlen ist ein Beleg für gelungenen Spielerschutz und das funktionierende Sperrsystem.”

Dahms erklärt weiter: “Aus den gestiegenen Zahlen nun jedoch einen generellen Angriff gegen den Glücksspielstaatsvertrag oder die lizenzierten Glücksspielanbieter abzuleiten, wird weder der Entstehungsgeschichte der Sperrdatei, noch der verbesserten Spielerschutzsituation auf dem deutschen Glücksspielmarkt gerecht.”

Der DSWV betont in seiner Stellungnahme, dass der Verband und seine Mitgliedsunternehmen die Regulierung des Glücksspielmarktes unterstützen. Insbesondere wird die Bedeutung von Maßnahmen zum Spielerschutz hervorgehoben, bei denen die Spielersperrdatei OASIS ein zentrales Element darstellt.

“Tatsächlich ist die bundesweite und spielformübergreifende Spielersperrdatenbank mit starker Unterstützung der Glücksspielveranstalter umgesetzt worden”, erklärt Dahm und betont noch einmal, dass die Zahlen einen Erfolg des Systems darstellen und nicht eine zunehmende Gefährdung der Spieler.

“[Die Sperrdatei OASIS] ist ein großer Fortschritt für den Spielerschutz in Deutschland und eine echte Erfolgsgeschichte, auf die Politik, Regulierungsbehörden und Glücksspielanbieter gleichermaßen stolz sein können.”

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